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Die Geschichte der Gemeinde Rastede 

Das Mittelalter 

Die Geschichte des Ortes Rastede beginnt im frühen Hochmittelalter 1059 mit der Kirchengründung durch Graf Huno von Oldenburg. Das Stiftungsdatum der St. Ulrichs-Kirche gilt als das Gründungsdatum Rastedes, da es die erste urkundliche Erwähnung des Ortes ist. Im Jahr 1091 wurde nur wenige Hundert Meter von der Kirche entfernt ein Benediktiner-Kloster gegründet. Fünf Jahre später erhielt dieses Kloster eine Klosterkirche. Rastede hatte in dieser Zeit eine herausragende Stellung in der Region. Diese Stellung basiert vornehmlich auf der religiösen bzw. kirchenpolitischen Stellung und andererseits durch die verkehrstechnischen und geologischen Gegebenheiten:

Das Kloster wurde von seinem Stifter reich mit Besitztümern beschenkt. So verfügte es nicht nur über Ländereien in und um Rastede, sondern auch über große Flächen in ganz Norddeutschland und Westfalen. Durch den zu zahlenden Zehnt und der daraus resultierenden materiellen Unabhängigkeit der Mönche wurde das Kloster Rastede schnell zu einem geistigen Zentrum in Norddeutschland. Eine günstige Verkejrsanbindung verhalf dem Ort zu weiterem wirtschaftlichen Aufschwung. Rastede lag direkt an der friesischen Heerstraße, einem strategisch wichtigen Militär- und Handelsweg zwisvchen Bremen und Friesland. Der Rasteder-Wiefelsteder Geestrücken war für die Anlage einer Straße, im Gegensatz zum Sumpfboden an anderen Orten im Ammerland, besonders geeignet.

Das Kloster wurde zum Hauskloster der Grafen von Oldenburg, die auch zu großen Teilen in Rastede wohnten und sich entsprechend in klösterliche Angelegenheiten einmischten. Das hatte negative Folgen für die Mönche und für die Entwicklung des Ortes. So lebte der berüchtigte Raubgraf Gerd der Mutige im Kloster und ließ es 1476 sogar zur Festung ausbauen. Die Bauern mussten unter den Raubzügen des Grafen nicht nur mittelbar, sondern auch unmittelbar leiden. So kamen Gerds Opfer von Rache getrieben nach Rastede, um die umliegenden Höfe zu plündern und zu brandschatzen. Durch die ständige Einbeziehung in kriegerische Handlungen und durch die stetig steigende Abgabenlast wanderten viele Bauern zu dieser Zeit aus dem Herrschaftgebiet aus.

Von der Grafschaft bis zur Revolution

 Mit der Reformation im Oldenburger Land verlor auch das Kloster seine geistige Grundlage. Die Oldenburger Grafen zahlten die verbliebenen Mönche aus und übernahmen das Kloster in ihren weltlichen Besitz. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts baute Graf Anton Günther die säkularisierte Anlage zu seiner gräflichen Sommerresidenz mit Jagdschloss und Pferdeställen um.

 Nach dem Tode Anton Günther im Jahr 1667 kam die Grafschaften Oldenburg und Delmenhorst aufgrund verwandschaftlicher Beziehungen dem dänischen Könighaus zu. Die stiefmütterliche Behandlung des Landes Oldenburg ließ letztlich auch das Schloss verfallen und sorgte für wirtschaftliche Stagnation in Rastede.

Nach einem viertägigen Zwischenspiel 1773 in dem Rastede zum russischen Zarenreich gehörte, erlangte das inzwischen zum Herzogtum erhobene Oldenburg wieder seine Selbständigkeit (Vertrag von Zarskoje Selo).  Im Jahr 1777 erwarb Herzog Peter Friedrich Ludwig das Schloss zurück uns ließ es ausbauen, nachdem es unter der dänischen Herrschaft bereits in bürgerlichen Besitz verkauft wurde. Mit der Novemberrevolution 1918 wurde auch in Oldenburg die Monarchie abgeschafft. Großherzog Friedrich August zog sich aus den Regierungsgeschäften zurück und machte seine Sommerresidenz in Rastede zu seinem ständigen Wohnsitz. Rastede blieb bis zu dessen Abschaffung ein Teil des Freistaates Oldenburg.

Aufstieg des Bürgertums

1867 baute die Großherzogliche Oldenburgische Eisenbahn eine Bahnstrecke von Oldenburg über Rastede ins preussische Wilhelmshaven. Diese Strecke hatte für den Ort große Vorteile. Der wirtschaftliche Aufschwung durch den anwachsenden Fremdenverkehr war deutlich spürbar. Kaffeezüge mit Sonderzügen fuhren nach Rastede, die Menschen spazierten im Park und die Gaststätten und Kaffeehäuser profitierten von der Attraktivität der Gemeinde. Zur Jahrhundertwende fertigte der Rasteder Bahnhof über 100.000 Reisende im Jahr ab.

Ebenfalls um die Jahrhundertwende entstanden viele der sogenannten Oldenburger Hundehütten (ein populärer Haustyp des bürgerlichen Wohnens), die noch heute das Ortsbild zu großen Teilen prägen.

Der Ort Rastede entwickelte sich aus drei maßgeblichen Siedlungen: Brink (Gebiet um den heutigen Marktplatz), Rastede (Kirche und Kloster) und der Bauernschaft Südende. Diese Entwicklung trug dazu bei, dass es in rastede keinen deutlich erkennbaren Mittelpunkt gibt. Erst 1840 wurden alle drei Siedlungskeime zum heutigen Ort zusammengezogen.

Im Jahr 1810 annektierte Napoleon Bonaparte das Herzugtum Oldenburg und somit gehörte Rastede bis 1814 zum französischen Kaiserreich. Die Mairien Rastede und Wiefelstede bildeten den Kanton Rastede, der sich im Arrondissement Oldenburg und im Département Bouches-du-Weser (v. frz.:"Weser-Mündung") befand.

Im Zuge der Neuordnung nach dem Sturz Napoleons setzte man das Amt Rastede (vergleichbar mit dem heutigen Landkreis) aus den Gemeinden Wiefelstede, Rastede, Jade und Schweiburg zusammen. Das Ämtergesetz von 1857 brachte für das neue Amt zunächst keine Veränderung. 1868 wurden jedoch die beiden nördlichen Gemeinden Jade und Schweiburg dem Amt Varel und die beiden Ammerländer Gemeinden dem Amt Oldenburg-Land zugeordnet. Die oldenburgische Verwaltungsreform des Jahres 1933 durch die NSDAP sorgte am Ende für die Erweiterung der Gemeinde Rastede um die Ortsteile Wahnbek und Ipwege, jedoch zu einer Angliederung an das Amt Westerstede, dem späteren Landkreis Ammerland. Durch den Verlust dieser Eigenständigkeit wurde Rastede deutlich in seiner Bedeutung zurückgesetzt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

1949 wurde Niedersachsen gegründet und der alte Freistaat Oldenburg (und somit auch Rastede) wurde ein Teil dieses neuen Bundeslandes.

Rastede wurde im Zweiten Weltkrieg, trotz militärisch bedeutender Eisenbahnlinie und dem zum Rüstungsbetrieb ausgebauten Brötje-Werk, mit nur 3% verhältnismäßig wenig zerstört. Den Ortsteil Nethen hatte es im Gemeindegebiet am stärksten getroffen. Insgesamt fielen 652 Soldaten aus der Gemeinde und 282 Soldaten wurden vermisst.

Vergleichbar mit der Entwicklung der Stadt Oldenburg verlief auch die Entwiclung von Rastede. Durch den geringen Zerstörungsgrad wurde Rastede für Flüchtlinge und Vertriebene aus den Ortsgebieten interessant. Aber auch aus dem eigenen Landkreis zog es Flüchtlinge in den Ort. So erhofften sich viele Menschen aus dem stark zerstörten Edewecht einen Neuanfang in Rastede. Innerhalb kurzer Zeit wuchs die Einwohnerzahl von 8.800 auf 15.000 an. Der plötzliche Ansprung verursachte ein großes Wohnungsproblem und so entstanden am Ortsrand sehr schnell neue Siedlungen mit Reihenhäusern und Wohnblöcken.

1949 wurde unter Mithilfe des Erbgroßherzogs Nikolaus Friedrich Wilhelm von Oldenburg, Sohn des letzten regierenden Monarchen Friedrich August, im Schlosspark zwischen Schloss und St. Ulrichs-Kirche, ein Turnierplatz für den Pferdesport errichtet. Auf dieser Reitanlage, der dem Turnierplatz von Klein Flottbek nachempfunden wurde, fand 1950 das erste Oldenburger Landesturnier statt. Also zu einem Zeitpunkt an dem das Land Oldenburg nominell nicht mehr existierte. 1959 wurde anläßlich der 900-Jahr-Feier das neue Rathaus errichtet.

Wappen

Das Wappen geht auf eine Sage aus Zeiten der Gründung Rastedes zurück. Ende des 11. Jahrhunderts lud Heinrich IV., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches zu einem Reichstag nach Goslar. Der ebenfalls eingeladene Rasteder Kirchenstifter Graf Huno folgte dieser Einladung nicht, so dass eine Feinde in Anwesenheit des Kaiser schlecht über ihn reden konnten. Heinrich forderte Graf Huno ein zweites Mal auf, an den Hof zu kommen. Jedoch dieses Mal solle er einen Kämpfer mitbringen, der sich mit einem kaiserlichen Kämpfer messen kann.

Graf Huno machte sich mit seinem Sohn Friedrich auf den Weg nach Goslar. Dort stellt sich der kaiserliche Kämpfer als gefährlicher Löwe heraus. Friedrich wäre unter regulären Umständen gegen den Löwen chancenlos, so dass er zu einer List griff. Vor dem Kampf stopfte er eine Strohpuppe mit Tiergedärmen und fettete sie von außen ein. In der Arena warf er die Puppe dem Löwen entgegen, der sofort begann über sie herzufallen. Friedrich schlich sich an das abgelenkte Raubtier heran und tötete es mit seinem Schwert.

Der Kaiser war von dieser List beeindruckt. Er tauchte seine Hand in die blutende Wunde des Löwens und malte mit zwei Fingern zwei waagerecht verlaufende Zickzack-Linien auf das goldfarbene Schild Friedrichs. Diese roten Linien auf goldenem Grund (auf Abbildungen zumeist in gelb dargestellt) finden sich ebenfalls im Wappen des Landkreises Ammerland und im Oldenburger Stadtwappen wieder. Bei letzterem verlaufen die Streifen jedoch gradlinig.

Der Sage nach schwor Graf Huno im Falle eines siegreichen Kampfes ein Kloster zu stiften. Nach seiner Rückkehr soll er einen Schwan fliegen gelassen haben und an der Stelle wo der Schwan landete sollte das Kloster gebaut werden. Der Schwan kreiste erst einige Zeit lang über einem Ort, scheinbar hatte er Zweifel, plattdeutsch "Twiefel", es war die Stätte des "Twiefels", woraus später der Name Wiefelstede entstand. Schließlich landete der Schwan aber doch einige Kilometer weiter östlich um Rast zu machen. Dies war die Stätte der Rast, Rastede. Einen wissenschaftlichen Nachweis für diesen Beweggrund gibt es allerdings nicht.


Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Rastede aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation . In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar. Stand des Artikels ist der 02.April 2006.